In Rollstuhltechnik

Nach meinem letzten Artikel zu dem Thema „Wie suche ich mir meinen Rollstuhl aus“, ist mir bewusst geworden, dass es unbedingt eine Fortsetzung geben muss. 

Es gibt sehr viele Unklarheiten und Fragen zu diesem Thema. 

Was ist möglich?

Wenn man nur die Einstellmöglichkeiten und das verfügbare Zubehör betrachtet, dann sind:

alle gängigen Rollstuhlmodelle zu mindestens 95% vergleichbar! Wenn überhaupt, unterscheiden sie sich zu 5% und das sind oft Kleinigkeiten. Der Rest ist Marketing!

Bitte achtet darauf, ich spreche hier von den Einstellmöglichkeiten und dem Zubehör! Selbstverständlich gibt es Qualitätsunterschiede, Unterschiede im Support, Service, Design, etc.

Das heißt, wenn man zum Beispiel zwei ähnliche, faltbare Aktivrollstühle, einen von Firma A und einen von Firma B nimmt, können beide auf den Zentimeter genau identisch eingestellt werden. 

Das gilt für alle Rollstühle, egal ob Manuell- oder Elektrorollstuhl. 

Dieser Sachverhalt ist oft unklar, oder es wird vom Kostenträger oder Verkäufer so vermittelt, nur damit man einen bestimmten Rollstuhl nimmt, der gerade im Lager steht oder den der Verkäufer an den Mann bringen will. 

Um einen Überblick zu bekommen, welches Zubehör es für den jeweiligen Rollstuhl gibt, rate ich immer dazu, einen Blick in die Bestellblätter zu werfen. Dort sieht man direkt, welche Optionen in welcher Vielzahl es gibt. Besonders bei Aktiv- und Elektrorollstühlen ist die Auswahl riesig. 

Man findet dort unterschiedliche:

  • Räder 
  • Bereifungen 
  • Seitenteile 
  • Fußstützen
  • Bremsen
  • etc.

Jetzt ist noch die Frage, wo man die Bestellblätter findet. Bei einigen Herstellern findet man diese auf der entsprechenden Homepage frei zugänglich. Bei anderen Herstellern sind sie wiederum nicht sichtbar, da benötigt man dann meist einen Händlerlogin. In dem Fall geht man am besten ins Sanitätshaus und lässt sich dort ein Exemplar geben. 

Tipp 1: Bestellblätter ansehen

Ein weiteres Tool, das sehr hilfreich sein kann, ist der Online-Ersatzteilkatalog. Dort sind alle Ersatzteile abgebildet, die es für die einzelnen Rollstuhl Modelle gibt. Bei diesem Tool ist es genau wie bei den Bestellblättern, nicht jeder Hersteller gewährt da freien Zugang. 

Tipp 2: Einen Blick in einen Rollstuhl Ersatzteilkatalog werfen

Einen kleinen, aber oft guten Einblick über die Vielfalt der Optionen und ganz besonders der unterschiedlichen Farben, bekommt man mit Hilfe der Prospekte und Internetseiten. In diesen beiden Medien bekommt man einen Gesamteindruck über den jeweiligen Rollstuhl. Dort sind auch immer alle technischen Informationen, Maße, etc. angegeben. 

Tipp 3: Prospekte und Internetseiten des Rollstuhls anschauen. 

Wenn du diese drei Möglichkeiten nutzt, lieber Blog-Leser, bekommst du einen sehr guten Überblick über alle Optionen, mit denen dein Rollstuhl ausgestattet werden könnte. Wenn du also zum Beispiel eine besondere Bremse, einen speziellen Greifreifen oder was auch immer suchst, weißt du, ob dieses Teil als Standard erhältlich ist. 

Und wenn nicht? Dann gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Sonderbau anzufragen. Was kann man sich darunter vorstellen? Das Beispiel mit der Bremse passt auch hier wieder gut zur Erklärung: wenn du zum Beispiel im Ersatzteilkatalog bei einem anderen Rollstuhlmodell eine Bremse gesehen hast, die dir bei der Benutzung einen Vorteil bringt, diese Bremse aber nicht bei deinem Modell angeboten wird, ist es trotzdem sehr oft möglich, diese Bremse trotzdem anzubauen. Das muss als Sonderbau angefragt werden. 

Das mit der Bremse war jetzt ein Beispiel, grundsätzlich kann man sich da alles Mögliche vorstellen. Die Voraussetzung ist natürlich, dass das Ganze auch einen Sinn ergibt. 

Ganz wichtig noch einmal: Alles, egal ob die Rollstuhlversorgung, Optionen oder Sonderbauten, sollten immer sehr gut begründet werden.  Stellt euch einfach vor, der Sachbearbeiter bei eurem Kostenträger sitzt da vor einem Stapel Papier. Euer Antrag ist da einer von vielen. Er nimmt euren Antrag vom Stapel und entscheidet dann anhand dessen, was da vor ihm liegt. Das sind die Informationen, die er erstmal hat. Wenn da ein Schreiben mit vielen sinnvollen Argumenten dabei ist, warum ihr dies oder das benötigt, fällt es ihm evtl. leichter, das Ganze zu verstehen. Ich habe dazu mal etwas in einem anderen Beitrag geschrieben LINK

Tipp 4, Zusatztipp: Kämpft dafür, dass ihr das bekommt, was ihr benötigt. Arbeitet aber selbst dafür, verlasst euch nicht nur auf andere. Macht euch Gedanken und schreibt auf, warum ihr etwas benötigt. 

Und noch etwas: manchmal macht es viel mehr Sinn, nicht im Sanitätsfachhandel nach Zubehör zu suchen, sondern wo anders.

Jeder Rollstuhlhersteller bietet zum Beispiel Taschen an. Viel mehr Auswahl hat man in diesem Bereich, wenn man direkt beim Fahrradzubehör sucht. Ich verwende zum Beispiel diese Tasche, mit dem Adapter kann man diese direkt am Rollstuhlrahmen befestigen. Im Fahrradzubehör gibt es davon eine riesige Auswahl und zudem viel günstiger. Also, Augen auf! 😉

Alles ist möglich!

Das ist dann die Antwort auf die Frage vom Anfang. Grundsätzlich ist erstmal alles möglich und denkbar. Es gibt an jedem Rollstuhl Hunderte von Optionen und zusätzlich noch den Sonderbau. 

Informiert euch auf den Internetseiten der Hersteller, bereitet euch vor und geht dann zum Sanitätshaus eures Vertrauens, dann könnt ihr Überraschungen vermeiden. 

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